Angeln in Bled – Fluch und Segen in letzter Minute

Angeln in Bled – Fluch und Segen in letzter Minute

Angeln in Bled – Fluch und Segen in letzter Minute

Dieser eine See, den jeder kennt. Dieses Gewässer, dessen Name in der gesamten Karpfenszene weltweit bekannt ist. Ein Reiz – oder doch eher Abschreckung? Tagangeln unter strengen Bedingungen und das Sitzen in Fußgängerzonen, zudem völlig übermüdet. Ist es das wert? Ist es das wert, einen der großen Slowenen vor dieser erstaunlichen Kulisse zu fangen?

Viele Fragen, die mich beschäftigten – und das bei wahrlich zu vielen Informationen über dieses eine, für viele schon heilige Gewässer.

Ich weiß nicht genau, was es war, aber die Versuchung in mir war zu groß. Ich wollte diese Erfahrung machen. An Infos mangelt es nicht: Social Media, YouTube – alles scheint komplett überschwemmt. Wenn du selbst noch nicht dort warst, dann waren es deine Augen zumindest schon oft auf dem Bildschirm.

2024, auf der Durchreise nach Kroatien, setzte ich das erste Mal meine Füße an seine Ufer. Ab diesem Tag stand fest: „Ich muss dort fischen!“

Schnell wurde mir klar, dass es schon fast an ein Unding grenzt, es in Bled allein zu versuchen. Mit zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nacht, allein mitten im Getümmel der Menschenmassen? Schon bei den einfachsten menschlichen Bedürfnissen sein Tackle dort allein zu lassen? Niemals. Dass es am Ende doch so kommt, war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar.

Ich fragte einige Leute, ob sie an einem Trip interessiert sind. Die Abweisung war groß. Einer fand sich – und ließ mich kurz vorher im Stich und buchte meiner Meinung nach sogar absichtlich für einen anderen Zeitraum. So unzuverlässig kann niemand sein! Meines Erachtens grenzt diese Aktion schon fast an Schikane und ist an Frechheit kaum zu überbieten. Auf ein „Entschuldigung“ warte ich noch bis heute. Die Story ist selbst schon fast einen eigenen Blogbeitrag wert!

Kurz vor knapp konnte ich den Zeitraum dann mit einem kleinen Familienurlaub verbinden. Durch etwas Recherche und stündliches Weckerstellen war der Weg an die heiß begehrten Angelkarten schon fast zu einfach.

Juli 2025

Ich packte abends das Auto, das Tackle auf das Minimalistischste reduziert. Überschaubare Futtermengen und vorbereitete Leader mit PVA-Bags im Gepäck. Mein Plan waren die Flachwasserbereiche – was sich später als ziemlicher Trugschluss herausstellte.

Am ersten Tag drehte ich eine Runde um den See. Viele Gespräche mit teils freundlichen, aber auch äußerst grimmigen Anglern ließen mich schnell verstehen, wie ernst die Verbote dort wirklich genommen werden. Die Leute waren nicht umsonst teilweise drei Stunden vor Angelbeginn wieder am Platz, um ihre Spots zu sichern.

Die Spiele beginnen

Perfekt vorbereitet und die Deeper-Karte im Kopf gefestigt, ging es los. Die Kirche im Nebel und der Sonnenaufgang hinter den Bergen ließen mich die Magie dieses Gewässers spüren.

Beim ersten Deeper-Wurf kam ich schon auf Fisch. Ein Huchen knallte dreimal direkt auf das Wurfecholot – ein tolles Schauspiel! Bis zum Ende des Tages blieb es jedoch ruhig. Außer unzähligen Gesprächen mit interessierten Urlaubern aus verschiedensten Ländern passierte rund um die Ruten nicht viel.

Umsetzen brachte nichts. Die Fische waren nicht im Areal, sondern auf über 20 Metern Tiefe im Freiwasser. Gegen Nachmittag zog ein Unwetter auf – ein brutales Gewitter mit scheinbar endlosen Regengüssen. Im Zusammenspiel mit dieser wahnsinnigen Kulisse fast schon ein kleines Highlight.

Zwei Tage lang ging dieser Plan nicht auf, bis ich einen Local traf, der mich für wahnsinnig erklärte.

„12 bis 16 Meter – sonst passiert hier gar nichts“, meinte er. So ganz unrecht hatte er nicht, wie sich später herausstellte. Ich meine: Sommer und kein Fisch im Flachwasser? Für mich widerspricht das eigentlich allen Gesetzen.

Nach zwei Tagen ohne Fang zog ich im Gebiet der Villa Prešeren ein – mitten im Touristengebiet. Schnell bekam ich Aktion: Forellen auf Boilie und jede Menge Schleien. Rechts von mir saßen auch zwei Österreicher – meine „Aufpasser“, wenn ich mal kurz vom Ufer weg musste. Die Connection zu anderen Anglern hat mich in diesen Situationen gerettet.

Sie kamen zuerst auf Fisch – sicherlich auch ihrem SUP-Board geschuldet, das in den Morgenstunden nah am gemauerten Ufer lag.

Kurz vor 23 Uhr bekam auch ich meinen ersten richtigen Lauf – jedoch vergebens, als ich die Rute aufnahm. Der Frust saß tief, da ich wusste: Mir bleibt nur noch morgen.

Der letzte Tag

Der Wecker klingelte früh und ich zog rechts neben Prešeren ein. Ich wusste, dass die Österreicher nicht mehr da waren. Zu meiner Verwunderung war bis zur Mittagszeit kein weiterer Angler in diesem Bereich. Meine Bekanntschaft und „Toilettenwache“ hatte verschlafen, aber später zogen rechts neben mir zwei Ungarn ein.

Wir saßen zusammen am schattigen Hang vor einer eingefallenen Ruine. Die Geselligkeit erlaubte mir, tagsüber ein wenig die Augen zu schließen.

Ich fing recht schnell einen Wels. Die Hoffnung im Drill verging jedoch schnell, als ich seine schlangenförmigen Bewegungen in der Rute spürte.

Gegen 19 Uhr machte ich die Ruten frisch – für die letzte Hoffnung. Ich angelte auf 13 Metern, die PVA-Bags flogen perfekt auf 90 Meter – die 10-Fuß-Ruten bis ans Maximum ausgereizt.

Mit der Dämmerung kamen die Fische näher. Sie sprangen regelmäßiger und hielten in unserem Bereich Einzug.

Die letzte Stunde

22 Uhr – noch eine Stunde. Die Hoffnung schwand. Rechts und links passierte ebenfalls nichts.

Ich setzte mich direkt neben meine Ruten und hoffte. Noch nie – wirklich noch nie – habe ich mir einen Biss so sehr gewünscht wie in diesem Moment.

Ich schaute in die Sterne und atmete tief durch. Mein Blick fiel auf den Bobbin. Er begann zu zucken – jedoch ohne den Bissanzeiger auszulösen. Ich wusste: Sie sind da!

Fünf Minuten später das gleiche Spiel – nur diesmal meldete sich auch der Bissanzeiger. Rute hoch – Fisch hängt!

Schnell kamen meine ungarischen Freunde zur Hilfe – sie freuten sich fast mehr als ich selbst. So etwas habe ich lange nicht mehr erlebt. Wahnsinn!

Der Fisch kam näher und ich sah im Schein der Kopflampe im tiefklaren Wasser seine Ausmaße. In diesem Moment war alles egal – Hauptsache ins Netz!

Der Fisch glitt in den Kescher. Alles egal – geschafft! Ich fiel auf die Knie und erlebte den Moment ganz für mich. Ein Bad der Gefühle – in den letzten Minuten des Trips.

„Boah, 25 kg – Big One!“, sagte der Ungar. Ich schaute in den Kescher und traute meinen Augen kaum. Mein erster Bled-Karpfen – und direkt eine ü25-kg-Bombe.

Es gab zwar Fänge in der Woche, aber von einem 25-kg-Fisch habe ich nichts mitbekommen.

Wir machten gemeinsam Fotos – und der Trip war für mich perfekt. Eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde und definitiv wiederholen möchte.

Wahnsinn!